Choralschola-Geschichte

Von Markus Bautsch

Chronologische Geschichte der Choralschola der katholischen Pfarrgemeinde Mater Dolorosa in Berlin-Lankwitz:

1930er Jahre

Pater Michael von Witowski

Schon 1936 Jahre lernte die Gemeinde vom Benediktinerpater Michael von Witowski (* 17. September 1885, † 1. Februar 1945) aus dem Kloster Weingarten am Bodensee, der jedes Jahr die Gemeinde besuchte, um mit den Gemeindemitgliedern die Liturgie zu vertiefen, während einer liturgischen Woche die achte Choralmesse, die Missa de Angelis, zu singen.

Am 1. Januar 1939 kam der sehr musikalische Kaplan Dr. Norbert Schulz (* 5. Juli 1915, † 15. September 1949) in die Gemeinde, um den bereits schwer erkrankten Pfarrer Franz Nafe (* 31. Juli 1879, † 7. Dezember 1942) bei der seelsorgerischen Arbeit zu entlasten. Er scharte sangesfähige und -freudige Jugendliche um sich, um mit Ihnen die Liturgie musikalisch zu gestalten. Am 1. Oktober 1939 trat Pfarrer Dr. Johannes Pinsk (* 4. Februar 1891, † 21. Mai 1957) die Nachfolge von Pfarrer Franz Nafe an und hatte es sich dabei zu einer Aufgabe gemacht, den liturgischen Gesang in seiner neuen Gemeinde zu fördern und zu stärken.

1940er Jahre

Kaplan Dr. Norbert Schulz

In der Karwoche 1940 wurden in deutscher Sprache erstmalig die Trauermetten gehalten. Grundlage für die Durchführung der Trauermetten war das 1938 von Pius Parsch (18. Mai 1884, † 11. März 1954) in Klosterneuburg veröffentlichte Buch Der Frühgottesdienst in der Karwoche. Die Lesungen wurden in lateinischer Sprache von Pfarrer Johannes Pinsk, Kaplan Norbert Schulz und einigen Ministranten gesungen. Diese Trauermetten – heute als Karmetten bezeichnet – werden seit damals Jahr für Jahr am Ende der Fastenzeit in der Gemeinde Mater Dolorosa gefeiert und gesungen.

In den Kriegsjahren wurde es auch aus Sicht der Kirchenmusik immer schwieriger. Anfang 1943 wurde der damalige Kirchenmusiker Max Walter zum Kriegsdienst eingezogen, und Ende 1943 wurde Kaplan Norbert Schulz nach Pommern versetzt, bevor er 1949 als Kaplan der Gemeinde Heilig Kreuz in Wilmersdorf im Alter von 34 Jahren an den Folgen eines Auto-Unfalls im Sankt-Gertrauden-Krankenhaus starb.

Pfarrer Johannes Pinsk legte dennoch immer sehr großen Wert darauf, bei jeder Messfeier das lateinische Ordinarium im Wechsel mit der Gemeinde zu beten, wobei er die gesungene Form durch die in der Entstehung begriffene Choralschola vorzog. Wegen der ungewohnten Kirchentonarten fiel es den jungen Sängern zunächst nicht leicht, sich auf diese einstimmigen Gesänge einzustellen. Im Laufe der Zeit wurde aber auch die Gemeinde mit immer mehr Ordinarien vertraut, so dass zu jeder Zeit im Kirchenjahr passende Gesänge ausgewählt werden konnten.

Immer mehr junge Männer wurden zum Kriegsdienst einberufen, so dass schließlich eine acht- bis zehnköpfigen reine Mädchenschola übrigblieb, die von Kordula Deider (verheiratete Stockdreher) und Irmgard Bamberg angeführt wurde, und durch die damaligen Umstände bald auf zwei bis fünf Sängerinnen zusammenschrumpfte. Seit der Zerstörung der Kirche und somit auch der Orgel im August 1943 wurden die Gesänge ohne Begleitung gesungen. Anfang 1947 gab der ehemalige erste Kantor der Benediktinerabtei aus Sankt Joseph in Gerleve, Anton Grönewäller (* 20. März 1895; † 1. April 1965), alle 14 Tage einen Chorallehrgang im Pfarrhaus, der vorwiegend von älteren Jugendlichen besucht wurde.

Alois Wagner

Im Frühjahr 1948 kam der auf dem Sankt-Matthias-Friedhof begrabene, sangesfreudige Alois Wagner als Kaplan in die Gemeinde und gründete eine Jungenschola, die abwechselnd mit der Mädchenschola sang.

1950er Jahre

Lorenz Weinrich

Schon 1950 wurde Kaplan Alois Wagner allerdings wieder versetzt. Aber der Geschichtsstudent Lorenz Weinrich (* 20. August 1929) nahm in jenem Jahr am 1. November an der Dogmatisierung der Leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel im Vatikan teil. Zum Abschluss wurde das gregorianische Te Deum gesungen 14). Ein Schwarzafrikaner aus Tansania bemerkte, dass Weinrich nicht mitsang, und lieh ihm sein Gesangbuch, da er den Hymnus auswendig beherrschte. Weinrich nahm diese „Entwicklungshilfe“ dankend an und trat durch diese Erfahrung beeindruckt nach der Rückkehr nach Berlin in die Gregorius-Gilde ein, die von Anton Grönewäller geleitet wurde, und die in der Johannes-Basilika in Kreuzberg Gregorianischen Choral probte und sang.

Pfarrer Johannes Pinsk machte sich zunehmend Sorgen um die Pflege des Gregorianischen Gesanges in seiner Gemeinde. Im Advent 1951 wurde er überrascht, als er bei einer Veranstaltung des Kunstamtes Charlottenburg mit der Gregorius-Gilde den ihm bereits aus der Studentengemeinde der Freien Universität bekannten Vorsänger Lorenz Weinrich traf. Er sprach ihn an („Ich wußte gar nicht, dass Sie Gregorianik singen können.”) und konnte ihn kurz darauf als neuen Leiter der Choralschola in Lankwitz gewinnen.

Choralnische in der Querschiffkirche

In dem nach den Kriegszerstörungen als Gottesdienstraum wieder aufgebauten Querschiffen der Pfarrkirche sang die Choralschola in der Nische im linken Querschiff, in der heute die Pietà steht.

Am 26. März 1954 sprach in einer Fastenandacht der Leiter der Gregorius-Gilde, Anton Grönewäller, über die kirchlichen Gesänge von Palmsonntag bis Karfreitag. Die Gesänge wurden unter seiner Anleitung geübt und ihr Sinn im Zusammenhang mit den kirchlichen Feiern gedeutet.

1960er Jahre

Lorenz Weinrich setzte seine Tätigkeit auch noch lange nach dem Weggang von Pfarrer Johannes Pinsk im Jahre 1954 fort. Am 30. September 1962 wurde er in der Pfarrkirche Mater Dolorosa vom neuen Pfarrer der Gemeinde, Werner Heltemes (* 31. August 1909, † 25. Juli 1976), mit seiner Ehefrau Helga getraut. Die Leitung der Choralschola übernahm bei diesem Anlass kein Geringerer als der Leiter der Gregorius-Gilde, Anton Grönewäller.

1963 bekam der Gregorianische Choral neuen Aufwind, da in der vom Zweiten Vatikanischen Konzil verabschiedeten Konstitution über die heilige Liturgie folgendes festgehalten wurde: „Die Kirche betrachtet den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang; demgemäß soll er in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen.“ Dies spiegelte sich nicht nur in Lankwitz, sondern auch in anderen Berliner Gemeinden durch zahlreiche und recht aktive Choralscholen wider.

Das lateinische Choralamt wurde in dieser Zeit jeden Sonntag und an den hohen Feiertagen um 11:00 Uhr gesungen. Auch bei der Konsekration von neuen Kirchen war die Choralschola gefragt. Darüberhinaus gab es an den drei Tagen vor dem Himmelfahrtstag Bittprozessionen mit anschließendem Choralamt um 6:45 Uhr. Die versammelte Gemeinde zog um das Pfarrhaus, durch den Garten des Monikastiftes, zum alten Gemeindehaus und dann in die Kirche. Im Frühjahr 1966 wurde sogar eine von Lorenz Weinrich geleitete Knabenschola gegründet, die in Zusammanarbeit mit der Choralschola Gregorianischen Gesang pflegte.

Noch bevor Lorenz Weinrich durch seinen Umzug in die Derfflingerstraße in das Lankwitzer Gemeindegebiet gezogen war, fühlte er sich der Kirchengemeinde Mater Dolorosa so verbunden, dass er nach dem Tod von Anton Grönewäller im April 1965 auf dessen Nachfolge in der Gregorius-Gilde verzichtete, um sich voll und ganz seiner Choralschola in der Gemeinde Mater Dolorosa zu widmen. Am 23. Oktober 1966 leitete Lorenz Weinrich die Gregorius-Gilde noch einmal bei einem Gottesdienst in der Sankt-Matthias-Kirche in Schöneberg, bei dem eine Delegation der Päpstlichen Musikhochschule anwesend war, der auch der in der Semiologe tätige Benediktiner Eugène Cardine (* 11. April 1905, † 24. Januar 1988) angehörte. Wenige Wochen zuvor war das von Eugène Cardine herausgegebene Choralbuch Graduel Neumé erschienen, in dem sich neben der Quadratnotation auch einige adiastematische Neumen aus den alten Choral-Handschriften befinden. Mit dieser Ausgabe wurde es den Leitern der Choralscholen nunmehr leichter möglich, die Gesänge genauer zu interpretieren, da viele zusätzliche, vor allem rhythmische Angaben erkennbar sind.

Als Lorenz Weinrich zum 1. September 1967 für ein Studienjahr als Gastprofessor für mittelalterliches Latein und Deutsch an die Universität von Chicago ging, wurde er durch Michael Jurczok von der Spandauer Choralschola vertreten.

1970er Jahre

Zu Beginn des Jahres 1970, am 1. Februar, wurde das wiederhergestellte Hauptschiff der Pfarrkirche durch Alfred Kardinal Bengsch eingeweiht, und auch der neue Altar wurde von ihm konsekriert. Die Choralschola zog beim großen Einzug gleich hinter dem Kreuzträger über den sehr verschneiten Vorplatz der Kirche ein, um den feierlichen Gottesdienst mitzugestalten.

Mitte der siebziger Jahre sang die Choralschola Mater Dolorosa bei einer Veranstaltung der Berliner Festwochen in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in der „Langen Nacht der Musik“. Die Choralschola probte immer mittwochs um 19:00 Uhr unmittelbar vor der Kirchenchorprobe und die sonntäglichen Choralämter wurden inzwischen um 8:00 Uhr in der Frühe gesungen. Die Lesungen und Gebete wurden mittlerweile regelmäßig in deutscher Sprache gesprochen.

Auch der seit 1976 tätige neue Kirchenmusiker Christoph Möller sang in der Choralschola mit. Mit der Fertigstellung der neuen Orgel im Oktober 1977 wurde eine Alternative für die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten geschaffen, was mittelfristig dazu führte, dass die Choralschola nur noch einmal im Monat sang. 1978 trat Markus Bautsch im Alter von 14 Jahren in die Choralschola ein, nachdem er bereits im Kirchenchor mitsang und dort gefragt wurde, ob er auch beim Gregorianischen Gesang mitmachen wolle. Nach der ersten Probe, die immer mittwochs vor der Kirchenchorprobe stattfand, war er so von den Melodien begeistert, dass er auch die nächsten Jahrzehnte weitermachte und 24 Jahre später sogar die Leitung der Choralschola übernahm.

Im März 1979 sang die Choralschola zusammen mit dem Oberkantor der Jüdischen Gemeinde, Estrongo Nachama (* 4. Mai 1918, † 13. Januar 2000), bei einer Rundfunkübertragung des Senders Freies Berlin zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

1979 kam der neue Kirchenmusiker Hans Peter Simonett (* 1940) in die Gemeinde. Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit führte er mit der Choralschola bei einem Orgelkonzert in der Pfarrkirche die vom Gregorianischen Gesang inspirierten Cantiones Gregorianae pro organo – Heft I von Joseph Ahrens (* 17. April 1904, † 21. Dezember 1997) auf, die dieser wohl bedeutendste Kirchenmusiker des Bistums Berlin 1956 bis 1957 komponiert hatte. Diese Cantiones wurden 1983, 1994, 2003 und 2014 noch vier weitere Male in der Pfarrkirche Mater Dolorosa und 2009 in Heilig Geist in Berlin-Charlottenburg aufgeführt.

1979 wurde von den Benediktinern der Abtei Sankt Peter in Solesmes auch das um adiastamatische Neumen ergänzte Graduale Triplex herausgegeben, das von nun an auch in Lankwitz als Basis für die Interpretation der Gregorianischen Gesänge benutzt wurde.

1980er Jahre

Im Sommer 1980 gab es im Aachener Rathaussaal eine Ausstellung zum Thema Die Zisterzienser – Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit. In der Pfarrkirche Mater Dolorosa wurde von der Choralschola ein Introitus von einem in dieser Ausstellung gezeigten Choralblatt gesungen und aufgezeichnet. Dieses Tonbeispiel konnte während der Ausstellung dann per Knopfdruck wiedergegeben werden und ging anschließend mit der Wanderausstellung mit.

Altar zu Beginn einer Karmette

Inzwischen wurde für die Karmetten ein Satz Hefte Trauermetten in der Karwoche angeschafft, die einen Auszug aus dem Antiphonale zum Stundengebet enthalten. Choralschola und Gemeinde singen am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag daraus jeweils um 8:00 Uhr morgens im Wechsel die Lesehoren und die Laudes. Am Ende der Lesehore werden aus dem Choralbuch Liber Usualis traditionell jeweils drei passende Lamentationen von Gesangssolisten der Choralschola vorgetragen. Auf dem Altar stehen zwei sogenannte Tenebrae-Leuchter mit jeweils sieben Kerzen, die ein Dreieck bilden und zwischen denen oft noch eine weitere Christus-Kerze steht. Zu Beginn brennen alle Kerzen und werden nach den einzelnen Abschnitten des Gottesdienstes nach und nach gelöscht. Unmittelbar vor dem Auszug wird als letzte die Christus-Kerze gelöscht.15)

Am 20. Februar 1983 sang die Choralschola ein lateinisches Choralamt aus Anlass des 70. Geburtstages von Max Werhahn, einem der Geschäftsführer der Berliner Supermarktkette Bolle.

Im April 1983 schaffte die Choralschola mit ihren gesparten Einnahmen vom Singen in anderen Gemeinden (zum Beispiel in der Zehlendorfer Gemeinde Herz Jesu oder bei verschiedenen Totenmessen) 152 Ausgaben mit den deutschen Übersetzungen des lateinischsprachigen Choralbuchs Graduale Romanum an, damit die Gemeinde den Texten der Gesänge besser folgen kann, ohne dass immer wieder eigens hergestellte Kopien erforderlich sind. Von den Einnahmen wurden darüberhinaus liturgische Kleidungsstücke für die Choralschola gekauft.

2000er Jahre

In den 90er Jahren gab es im Bistum Berlin zunehmend weniger Choralscholen. Sowohl die lateinische Sprache als auch die acht Kirchentonarten wurden für viele Katholiken immer befremdlicher und schwieriger zu verstehen. Papst Johannes Paul II. bestärkte die verbliebenen Choralsänger mit seiner fünften Instruktion zur ordnungsgemäßen Ausführung der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie von 2001. Im Artikel 28 schreibt er: „Außerdem achte man darauf, dass in den Ausgaben für das Volk wenigstens einige lateinische Texte erhalten bleiben, besonders aus dem unvergleichlichen Schatz des Gregorianischen Chorals, den die Kirche als den der römischen Liturgie eigenen Gesang betrachtet und der darum, gleiche Bedingungen vorausgesetzt, in den liturgischen Handlungen den ersten Platz einnehmen soll. Denn dieser Gesang trägt in höchstem Maße dazu bei, den menschlichen Geist zum Übernatürlichen zu erheben.“

Lorenz Weinrich Mai 2015

Anfang 2002 übergab Lorenz Weinrich die Leitung der Choralschola nach 50 Jahren fließend an Markus Bautsch (* 1964), der seit 1978 Mitglied der Choralschola ist. Dieser wurde wurde vom Sänger und Gesangspädagogen Welf-Eckhart Wiencke ausgebildet und wurde von Weinrich kontinuierlich im Fach Gregorianik geschult.

Zum 100. Jahrestag der Veröffentlichung des Motu Proprio Tra le sollecitudini vom 22. November 1903 über die Kirchenmusik von Papst Pius X. schrieb der amtierende Papst Johannes Paul II. im Artikel 7 seines Chirographen: „Der Gregorianische Gesang ist darum bis heute ein Element der Einheit in der römischen Liturgie.“

Zu Beginn des Jahres 2004 konnte die Choralschola unterstützt durch diese klaren päpstlichen Worte durch die Aufnahme von acht jüngeren Gemeindemitgliedern verjüngt werden und war in dieser vergrößerten Besetzung am vierten Fastensonntag in die Johannes-Basilika an der Hasenheide zu einem Choralamt eingeladen.

Himmelfahrtsgottesdienst 2004 in Sankt Rita

Am 20. Mai 2004 nahm sie beim Himmelfahrtsgottesdienst in Sankt Rita in Reinickendorf unter der Leitung des dortigen Choralscholaleiters, Ansgar Mayer, teil.16) Der Gottesdienst wurde professionell aufgezeichnet und von der Gemeinde Sankt Rita als Compact Disk vertrieben.

Um die Passionssonntage 2005, 2006 und 2007 beteiligte sich die Choralschola bei jeweils zwei Aufführungen eines vom Gemeinde- und Choralscholamitglied Ansgar Vössing inszenierten Passionsspiels, das vorwiegend von den Jugendlichen der Gemeinde in der Pfarrkirche dargestellt und musikalisch untermalt wurde. Die Choralschola sang einige passende Stücke mit Texten aus den Evangelien. Im zahlreichen Publikum waren neben Weihbischof Wolfgang Weider und Georg Kardinal Sterzinsky auch Nuntius Erwin Josef Ender vertreten.

Himmelfahrtsgottesdienst 2005 in Mater Dolorosa

Am 67. Geburtstag von Pfarrer Michael Schlede, am 5. Mai 2005, wurde in der Pfarrkirche Mater Dolorosa ein lateinischer Himmelfahrtsgottesdienst mit insgesamt 34 Sängern gefeiert.17) Die auswärtigen Mitsänger kamen aus den Gemeinden Sankt Markus Spandau, Heilig Geist Charlottenburg, Sankt Bernhard Dahlem, Sankt Otto Zehlendorf und Sankt Rita Reinickendorf.

Am 3. September 2005, dem Namenstag des Namensgebers des Gregorianischen Gesanges, Papst Gregor dem Großen (* um 540, † 12. März 604), sang die Choralschola zum letzten Mal in der Kuratie Maria Mutter vom Guten Rat in Lichterfelde-Süd. Das Grundstück wurde an die evangelische Gemeinschaft Eben-Ezer verkauft.

Die Choralschola im Altarraum der Kirche im Juli 2006

Im September 2006 wurde der Leiter der Choralschola, Markus Bautsch, vom Chorleiter Simon Halsey im LeaderChor Berlin weitergebildet.

Am 5. November 2006 besuchte die Choralschola auf Einladung der Äbtissin Ursula Schwalke die Benediktinerinnen im Kloster Sankt Gertrud in Alexanderdorf. Unter Leitung der dortigen Kantorin Schwester Theresia wurde zunächst geprobt und dann ein gemeinsamer Vesper-Gottesdienst gefeiert. Am darauffolgenden Sonntag gestalteten die beiden Choralscholen ein gemeinsames Choralamt.

Auch der neue Papst Benedikt XVI. unterstrich die Bedeutung des Gregorianischen Chorals am 22. Februar 2007 im zweiten Teil seines Nachsynodalen Apostolischen Schreibens, Eucharistie, ein Geheimnis, das man feiert, indem er über den liturgischen Gesang schrieb: „Schließlich möchte ich, obwohl ich die verschiedenen Orientierungen und die sehr lobenswerten unterschiedlichen Traditionen berücksichtige, dass entsprechend der Bitte der Synodenväter der Gregorianische Choral angemessen zur Geltung gebracht wird, da dies der eigentliche Gesang der römischen Liturgie ist.“ Ferner fügte er in seinem Beitrag über die lateinische Sprache hinzu: „Ganz allgemein bitte ich darum, dass die zukünftigen Priester von der Seminarzeit an darauf vorbereitet werden, die heilige Messe in Latein zu verstehen und zu zelebrieren sowie lateinische Texte zu nutzen und den Gregorianischen Choral zu verwenden. Man sollte nicht die Möglichkeit außer Acht lassen, dass auch die Gläubigen angeleitet werden, die allgemeinsten Gebete in Latein zu kennen und gewisse Teile der Liturgie im gregorianischen Stil zu singen.“

Vom 20. bis zum 22. April 2007 fand durch den Benediktiner Pater Michael Hermes aus der Abtei Königsmünster in Meschede unter Beteiligung mehrerer Sänger aus der Choralschola Mater Dolorosa eine Fortbildung für interessierte Choralsänger des Bistums in Sankt Matthias in Schöneberg statt.

Die Choralscholaleiter von Mater Dolorosa. Von links nach rechts: Weinrich, Bamberg, Stockdreher, Bautsch

Am 21. Mai 2007 fand ein Gedenkgottesdienst mit Messfeier und Gregorianischem Gesang zum 50. Todestag des ehemaligen Gemeindepfarrers Dr. Johannes Pinsk und zur Goldenen Hochzeit vom Ehepaar Marie-Luise und Christian Schwarz-Schilling statt, bei deren Trauung in Sankt Bernhard in Dahlem Johannes Pinsk einem Herzinfarkt erlag. Zu den Mitwirkenden Geistlichen zählten unter anderem Weihbischof Wolfgang Weider, Domkapitular Wolfgang Knauft, Pfarrer Dr. Herbert Gillessen aus Sankt Bernhard und Pfarrer Michael Schlede. Die Choralschola aus Sankt Bernhard mit ihrem Leiter Chiaki Ikuta war ebenfalls beteiligt. Aus diesem Anlass trafen einzigartiger Weise auch die vier Leiter der Choralschola Mater Dolorosa aus den vergangenen über sechs Jahrzehnten, Kordula Stockdreher (geborene Deider), Schwester Dr. Corona (Irmgard) Bamberg OSB, Dr. Lorenz Weinrich und Dr. Markus Bautsch zusammen.

Am 17. November 2007 fand in der Pfarrkirche eine Vorabendmesse mit dem geistlichen Rektor des Cusanuswerkes und Jesuiten Dr. Rainer Hagencord und Pfarrer Michael Schlede statt. Seit vielen Jahrzehnten erklang am Abschluss des Gottesdienstes in der Pfarrkirche wieder einmal das lateinische, siebenminütige Te Deum18).

Am 9. März 2008 um 10 Uhr gab es einen Rundfunk-Gottesdienst des Rundfunks Berlin-Brandenburg mit Gregorianischem Choral in Herz Jesu Zehlendorf bei Pfarrer Carl-Heinz Mertz, einem ehemaligen Kaplan der Gemeinde Mater Dolorosa, unter der Leitung von Markus Bautsch mit den Choralscholen der Gemeinden Mater Dolorosa Lankwitz, Sankt Otto Zehlendorf und Sankt Bernhard Dahlem. An der Orgel spielte Karl-Hans Gehr aus der fusionierten Gemeinde Herz Jesu / Sankt Otto, der kurz darauf in den Ruhestand ging. Die Übertragung wurde in ganz Deutschland von etwa 40.000 Zuhörern mitverfolgt.

Für den 5. September 2008 wurde die Choralschola-Gemeinschaft Berlin mit mehreren Sängern aus der Choralschola Mater Dolorosa und befreundeten Choralscholen aus Berlin von der Jury der 4. Langen Nacht der Chöre ausgewählt, um gegen 20:30 Uhr einige Gregorianische Gesänge aufzuführen. Unter der Leitung von Markus Bautsch wurden der Introitus (Antiphon) und das Graduale (Responsorium) vom 23. Sonntag des Jahreskreises, das Halleluja von Fronleichnam mit der anschließenden Sequenz Lauda Sion und der Johannes-Hymnus gesungen.

Seit Januar 2009 singt der Leiter der Choralschola, Markus Bautsch, als Bass im MendelssohnKammerChor Berlin und wird dort von dessen Künstlerischem Leiter Volkher Häusler im Rahmen der Chorarbeit in Sachen Stimmbildung und Chorleitung weitergebildet.

Am 14. März 2009 war die Choralschola in die Charlottenburger Gemeinde Heilig Geist eingeladen, um mit der dortigen Choralschola unter der Leitung unseres ehemaligen Kirchenmusikers Christoph Möller beim Choralamt und einem sich anschließenden Orgelkonzert von unserem Organisten Peter Simonett mitzuwirken. Beim Konzert erklangen auch die seit 1979 schon durch vier Aufführungen in unserer Pfarrkirche bekannten Cantiones Gregorianae von Joseph Ahrens.

Am 5. und 7. April 2009 hat die Choralschola erneut beim Passionsspiel der Gemeinde mitgewirkt. Es wurden erneut die beiden Antiphonen Pueri Hebraeorum von der Palmweihe des Palmsonntags, die Antiphon Postquam surrexit Dominus vom Gründonnerstag, die Communio Pater si non potest vom Palmsonntag und der Introitus Stabant juxta crucem vom Gedenktag der Schmerzen Mariens (15. September) gesungen. Diese sieben Schmerzen Mariens hatte schon knapp hundert Jahre zuvor der damalige Pfarrer Maximilian Beyer wegen der sehr großen Schwierigkeiten und Widrigkeiten bei der Errichtung unserer Pfarrkirche im Sinn, als er die Mater Dolorosa als Namenspatronin wählte.

Choralscholatreffen am 31. Mai 2009

Am Pfingstsonntag, dem 31. Mai 2009, waren Choralsänger aus befreundeten Choralscholen des Bistums um 11 Uhr zu einem gemeinsamen, sehr feierlichen Choralhochamt mit Pfarrer Michael Schlede eingeladen. Es wurde das Pfingstproprium19), die I. Choralmesse (Lux et origo) und das III. Credo gesungen. Diesmal kamen unsere Gäste aus Sankt Rita in Reinickendorf, Sankt Bernhard in Dahlem und aus Sankt Otto in Zehlendorf. Peter Simonett begleitete die Gemeindegesänge auf der Orgel und spielte zum Abschluss die Toccata d-moll, opus 59 von Max Reger.

2010er Jahre

Sechs Mitglieder der Choralschola haben am Morgen des 23. September 2011 bei der Nacht der Musik, Nacht der Anbetung anlässlich des Papstbesuches in Berlin in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale zwischen vier und fünf Uhr sieben Stücke des Gregorianischen Chorals zu den Themen „Tu es Petrus“, „Maria“ und „Wachet und betet“ gesungen. Die dazugehörigen Orgelimprovisationen spielte Prof. Wolfgang Seifen.

Am 19. November 2011 war die Choralschola zu einer privaten Geburtstagsfeier in ein Neuköllner Unternehmen eingeladen, wo ein paar gregorianische Gesänge mit Bezug zum Jubilar zum Besten gegeben wurden.

Choralschola-Treffen, Pfingsten 2012 in Mater Dolorosa

Zu Pfingsten 2012 hat die Choralschola zum Choralschola-Treffen 2012 eingeladen. Die Choralfreunde haben im sehr feierlichen 11-Uhr-Gottesdienst gemeinsam das Ordinarium und das Proprium20) nach den Restitutionen des 2011 erschienenen Graduale Novum gesungen.

Choralschola am 16. Februar 2014 in der Mendelssohn-Remise in Berlin-Mitte

Am 16. Februar 2014 sang die Choralschola bei der Feier des 50. Geburtstags des Leiters der Choralschola, Markus Bautsch, unter der Leitung von Lorenz Weinrich in der Mendelssohn-Remise in Berlin-Mitte den Johannes-Hymnus „Ut queant laxis“ und des Pfingst-Hymnus „Veni Creator Spiritus“.

Beim Kirchenkonzert am 28. September 2014 im Rahmen der 45. Stegitzer Kirchenmusiktage wurden von der Choralschola zusammen mit unserem Organisten Peter Simonett die Cantiones Gregorianae von Joseph Ahrens wieder einmal aufgeführt.

Am Sonntag, dem 27. September 2015, war die Choralschola nach Sankt Rita in Reinickendorf eingeladen, wo Mitglieder aus mehreren Choralscholen des Erzbistums gemeinsam den Festgottesdienst in der Pfarrkirche gestalteten, der anlässlich des 75-jährigen Bestehens der dortigen Choralschola gefeiert wurde. Die Leitung der gregorianischen Gesänge übernahm der dortige Choralscholaleiter Ansgar Mayer.

Choralscholatreffen im September 2015 in Sankt Rita

Am Samstag, dem 3. Oktober 2015 und dem 25. Jahrestag der Deutschen Einheit, war die Choralschola bei schönstem Wetter in die katholische Pfarrkirche Sankt Johannes Baptist nach Fürstenwalde eingeladen, um bei einer dreisprachigen Trauung die Missa de Angelis und drei passende Stücke des Propriums (das Alleluia Mittat vobis, das Offertorium In te speravi und die Communio Ecce sic benedicetur) zu singen. Am Abend wurde dann auch noch das Proprium für das Erntedankfest („Post collectos fructus terrae“) in der Vorabendmesse von Mater Dolorosa gesungen.

Am Pfingstsonntag (15. Mai 2016) trafen sich rund zwanzig Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Choralscholen des Erzbistums (Berliner Choralschola, Heilig Geist, Mater Dolorosa, Sankt Rita) in der Gemeinde Heilig Geist in Charlottenburg. Zum Abschluss des Familiengottesdienstes zog die Choralschola ein und sang mit der versammelten Gemeinde und der dortigen Kinderschola den Pfingsthymnus Veni creator Spiritus. Danach, um 11:30 Uhr wurde dann das Hochamt mit Gregorianischem Gesang gefeiert, bei dem unter der Leitung von Markus Bautsch aus dem Pfingstproprium und die Missa de Angelis gesungen wurde. Der Kirchenmusiker aus Heilig Geist, Christoph Möller, der früher bei uns in der Gemeinde Mater Dolorosa tätig war, spielte an der Orgel.

Die Choralschola beim ersten Berliner Festival der Religionen in der Werkstatt der Kulturen am 10. Juli 2016

Impression von der Bühne beim Festival der Religionen 2016

Am 10. Juli 2016 (Sonntag) waren die beim gemeinsamen Pfingstgottesdienst 2016 in Heilig Geist in Charlottenburg beteiligten Choralscholen (Berliner Choralschola, Heilig Geist (Charlottenburg), Mater Dolorosa (Lankwitz), Sankt Rita (Reinickendorf)) eingeladen, beim ersten Berliner Festival der Religionen "Faiths In Tune" in der Werkstatt der Kulturen an der Hasenheide mitzuwirken. Die Leitung übernahmen hauptsächlich Markus Krafczinski von der Berliner Choralschola und Markus Bautsch von der Choralschola unserer Gemeinde. Auch einige Sänger aus unserer Gemeinde haben sich wieder beteiligt. Die Leiter der Choralscholen aus Sankt Rita, Ansgar Mayer, aus Heilig Geist, Christoph Möller, der bis 1979 bei uns als Kirchenmusiker tätig war, und aus Sankt Bernhard in Dahlem, Dr. Celina Schätze, haben ebenfalls mitgewirkt. Die 19 Choralsänger musizierten zuerst den Pfingshymnus „Veni Creator Spiritus“ im Wechselgesang, und danach das zweite Alleluia „Veni Sancte Spiritus“ mit der Sequenz aus dem Pfingstproprium, die von der Choralscholahälfte, die gerade nicht den Vers sang, mit der ausgehaltenen Finalis auf dem Vokal „A“ leise untermalt wurde. Das „Amen, Alleluia“ zum Abschluss wurde mit Quintparallelen zu den Männerstimmen beziehungsweise mit Quartparallelen zu den drei hohen Frauenstimmen gesungen - Beispiele für die frühe Mehrstimmigkeit, die sich aus dem Gregorianischen Gesang entwickelt hat. Danach folgte ebenfalls aus dem Pfingstproprium die Communio „Factus est repente“, bei denen die drei Verse von Markus Krafczinski solo gesungen wurden. Die Verse der folgenden Antiphon „Ubi caritas et amor“ aus der Liturgie des Gründonnerstags wurden im Wechsel zwischen den vier beteiligten Choralscholen übernommen. Zum Abschluss sangen wir aus der Vesper des Pfingsttags die Antiphon „Non vos relinquam“ mit den Versen aus dem Magnificat. Der Applaus war herzlich und anhaltend.

Im Oktober 2016 wurden auf Bitten des Leiters des Museumsverbunds im Landkreis Elbe-Elster, Dr. Rainer Ernst, zwei gregorianische Stücke aufgenommen, die einige Jahre zuvor von Heimatforschern gefunden wurden und dem Historiker Prof. Lorenz Weinrich zugespielt wurden. Der Introitus „Venite Adoremus“ im Protus plagalis und die Communio „Principes“ im Protus authenticus wurden anhand der Neumen des Zisterzienser-Klosters Dobrilugk aus dem 15. Jahrhundert interpretiert und werden ab Sommer 2017 in der Dauerausstellung im Museum Schloss Doberlug in Doberlug-Kirchhain zu hören sein.

Choralschola am  1. Dezember 2016 in der Kapelle des Militätischen Bischofsamts

Am 1. Dezember 2016 feierten fünf Sänger aus der Choralschola in der Kapelle des Militärischen Bischofsamts eine gregorianische Rorate-Messe mit dem Ritterorden vom Heiligen Grabe zu Jerusalem. Es wurden der Introitus „Rorate“, das Graduale „Tollite“, das Alleluja „Excita“, das Offertorium „Ave Maria“, die Communio „Ecce virgo“ sowie die XVII. Messe gesungen. Zum Abschluss sangen alle gemeinsam die Marianische Antiphon „Alma Redemptoris Mater“, Zelebrant war der Prior der Berliner Komturei des Ordens, Monsignore Dr. Hansjörg Günther.

Letzte Aktualisierung Dezember 2016

Siehe auch

musik/choralschola-geschichte.txt · Zuletzt geändert: 2016/12/20 17:39 von mbautsch
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