Brief vom Januar 2018 von Pater Schmidt aus dem Südsudan

Pater Gregor Schmidt am 25. Juni 2017 in Mater Dolorosa

Von Pater Gregor Schmidt erreichte uns am 23. Januar 2018 der folgende Brief:


Liebe Familie und Comboni-Mitbrüder & -Schwestern, liebe Freunde !

Viele Grüße zu Beginn des neuen Jahres!

Am nächsten Sonntag (28. Januar 2018) wird im Deutschlandfunk um 8:30 Uhr ein Beitrag über Mission ausgestrahlt, in dem ich für ca. zwei Minuten zu Wort komme (siehe weitergeleitete Email unten). Es sind Ausschnitte aus einem Gespräch vom August 2017 mit dem Journalisten Alfred Herrmann. Welche Inhalte der gesamte halb-stündige Beitrag hat, und was die anderen Befragten sagen, weiß ich nicht.

Anmerkung der Online-Redaktion: die Sendung heißt „Am Sonntagmorgen - Religiöses Wort - Mission heute - nur ein schwieriger Begriff?“ von Alfred Herrmann (Katholische Kirche). Der Beitrag kann unter dieser Web-Adresse nachgehört werden, Pater Gregor kommt ab Minute 7:00 zu Wort.

Ab jetzt sind meine Texte der letzten 9 Jahre auf der Webseite der Comboni-Missionare zugänglich. Der Link: http://comboni.de/missionare/p-gregor-schmidt

Dort ist ein weiteres, sehr ausführliches Interview von Herrmann zu finden (August 2017), welches andere Themen als der oben erwähnte Radiobeitrag hat.


Wir sind gerade zur Comboni-Provinzversammlung und zum Einkaufen in der Hauptstadt Juba bis Anfang Februar. Wir werden wieder ein Boot für den Transport nach Fangak mieten und hoffen, dass es keine Probleme wie letztes Jahr geben wird.

Zur Lage im Land:

Die Arbeit der Comboni-Missionare im Südsudan ist leider sehr durch den Bürgerkrieg und die Korruption der Behörden eingeschränkt. Sogar das Fliegen innerhalb des Landes braucht jetzt eine zusätzliche Genehmigung, obwohl wir ein Visum haben. Bisher sind drei Missionen durch Angriffe von Regierungstruppen zerstört worden, und die Missionare haben sich mit der Bevölkerung entweder im Busch versteckt oder sind über die Grenze nach Uganda geflohen und begleiten die Südsudanesen in der größten Flüchtlingssiedlung der Welt (über eine Million Menschen).

Am 24.12.17 war der achte (!) Waffenstillstand in Kraft getreten, der sofort wieder gebrochen worden ist. Die Regierung hatte schon vorher Beobachtungs-Drohnen für mehrere Millionen US-Dollar eingekauft. Angeblich sind die Drohnen dazu da, um Kriminelle in Juba zu finden. Aber sie sind auch im Oppositionsgebiet gesichtet worden, anscheinend um die nächsten Attacken der Regierung vorzubereiten.

Eine Kuriosität: Es gibt hier einen Dinka General, Paul Malong, der sich mit dem Dinka Präsidenten letztes Jahr überworfen hat und der Rebellion bezichtigt wird. Er hat über ein hundert Ehefrauen (angeblich 112) und daher schätzungsweise mindestens 500 Kinder, von denen viele oder die meisten Jungen in seiner Privatarmee dienen. Er zeugt also seine eigenen Rekruten, die ihm loyal dienen.

Andere Generäle im Südsudan verhalten sich wie Gurus (Propheten), die ihre Soldaten an sich binden. Einer davon war General Gabriel Tanginye, der zeitweise bei uns in Fangak sein Unwesen trieb, bis er letztes Jahr durch einen Hinterhalt erschossen worden ist. Er hat es „nur“ auf 19 Ehefrauen gebracht. Die Bindung der Kämpfer an unzählige lokale Anführer und Warlords macht diesen Krieg anarchisch, weil es weder auf der Seite der Regierung noch bei der Opposition eine geordnete Befehlskette für Soldaten oder Milizen gibt.

Weil deutschsprachige Medien oft ungenau schreiben, dass es Angriffe von „beiden Seiten“ gibt und „beide Seiten“ irgendwie Schuld haben, so möchte ich hier klar stellen: Fast alle Flüchtlinge innerhalb und außerhalb des Landes sind vor Angriffen der Regierungstruppen geflüchtet. Und fast alle Flüchtlingslager der UNO im Südsudan schützen Oppositionelle vor der Regierung. Zwar ist die Art der Verbrechen auf beiden Seiten vergleichbar, aber nicht das Ausmaß. Die Regierung trägt eindeutig die größere Schuld; der Clan des Präsidenten will alle anderen Volksgruppen von der Macht und der politischen Teilhabe fernhalten.

Auf Englisch ein Artikel dazu: https://www.voanews.com/a/nikki-haley-us-south-sudan/4119877.html

Möge Gott euch ein gesegnetes Jahr schenken,

Gregor

personen/brief_vom_januar_2018_von_pater_schmidt_aus_dem_suedsudan.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/05 15:44 (Externe Bearbeitung)
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