Gelobt seist Du, Herr Jesu Christ

Von Markus Bautsch

Die Juden beginnen schon seit Jahrtausenden jedes Lobgebet mit den Worten „Gelobt seist du, Herr, unser Gott, König der Welt“. Bei den Christen hat sich im Mittelalter zunehmend durchgesetzt, Jesus Christus als Weltenkönig zu betrachten und anzubeten. Erst Ende 1925 wurde schließlich in der Enzyklika „Quas primas“ von Papst Pius XI. wohlbegründet und mit vielen Bezügen zum Alten und zum Neuen Testament das „Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Weltalls“, kurz: das Christkönigsfest, eingesetzt.

Der deutsche Jesuitenpater und Hymnologe Guido Maria Dreves (1854 -1909) hat in ganz Europa mittelalterliche Kirchengesänge gesammelt, zusammengestellt und erforscht. Sicherlich begegneten ihm dabei zahlreiche Texte, die Christus als König der Welt zum Thema gemacht haben. Dies betrifft zum Beispiel nicht nur den bekannten lateinischen Hymnus „Dies irae“ („Tag des Zorns“) aus dem 14. Jahrhundert, in dem der „König schrecklicher Größe“ („Rex tremendae maiestatis“) als „Quell der Liebe“ („fons pietatis“) angerufen wird, oder den letzten Vers „Du siegreicher König, erbarme dich“ („Tu nobis victor, Rex miserere“) aus der Ostersequenz „Victimae paschali laudes“ („Dem Osteropfer sollen Lobeshymnen“) aus dem 11. Jahrhundert, sondern auch den Hymnus „ad Christum Regem“ („an Christkönig“) zur Palmenprozession aus dem 9. Jahrhundert, wo es im Kehrvers „Gloria, laus et honor tibi sit, Rex Christe, Redemptor“ („Ruhm, Preis und Ehre sei dir, Christkönig, Erlöser“) heißt. Die Tradition der „Laudes Regiae“ („Königspreisungen“) mit dem Ruf „Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat“ (wörtlich „Christus siegt, Christus regiert, Christus gebietet“, vergleiche auch Gotteslob Nummer 560 und 629,5: „Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit“) gehen sogar auf die Mitte des 8. Jahrhunderts zurück.

1888 verfasste Dreves fünf vierzeilige Strophen des aus dem Gotteslob mit der Nummer 375 bekannten und als ökumenisch gekennzeichneten Kirchenliedes „Gelobt seist du, Herr Jesu Christ“. Die Reimfolge der jeweiligen vier Verse ist immer A-B-A-B. Der Text beschreibt Jesus Christus als den „König aller Ehren“ und als das „A und O der Welten“:

1.
Gelobt seist du, Herr Jesu Christ,
Ein König aller Ehren;
Dein Reich ohn' alle Grenzen ist,
Ohn' Ende muss es währen.

2.
Auf deinem Haupt voll Majestät
Trägst du der Gottheit Krone;
Süß' Licht aus deinem Auge geht,
Groß' Glanz von deinem Throne.

3.
Das All durchtönt ein mächt'ger Ruf:
"Christ A und O der Welten!"
Das Wort, das sie zu Anfang schuf,
Wird bis ans Ende gelten.

4.
Auch jeder Menschenseele Los
Fällt, Herr, von deinen Händen,
Und was da birgt der Zeiten Schoß,
Du lenkst es aller Enden.

5.
O sei uns nah mit deinem Licht,
Mit deiner reichen Gnade,
Und wenn du kommst zu dem Gericht,
Christ, in dein Reich uns lade.

Die erste Strophe ist ein Lob-Hymnus, die zweite bis vierte Strophe haben beschreibenden Charakter, und die letzte Strophe enthält die Bitten „Sei uns nah“ und „in dein Reich uns lade“. Im Gotteslob ist die zweite Strophe, die sich auf die Krone Christi und seinen Thron bezieht, übrigens nicht enthalten.

Der österreichische Kirchenliedkomponist Josef Venantius von Wöss (1863 -1943) hat 1928, also drei Jahre nach der Einsetzung des Hochfestes, diesen Hymnus vertont. Die Liedmelodie ist in Dur komponiert (meist ist sie in Es-Dur notiert), und sie hat eine recht ungewöhnliche Taktfolge, die bezogen auf halbe Noten ständig zwischen einem Zweier- und einem Dreierrhythmus wechselt. Zwei aufeinanderfolgende Takte bilden also de facto immer einen Fünferrhythmus, und nur der allen Strophen als fünfte Zeile angefügte Refrain „Christkönig, Halleluja, Halleluja.“ besteht aus drei Dreiertakten. Dieser Refrain bietet somit ein schönes Bild für die Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist: Gott, König der Welt; Christus, König des Weltalls; und Heiliger Geist, der auch bei der Taufe empfangen wird, bei der die Täuflinge mit dem Chrisam der Könige gesalbt werden.


Januar 2017

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musik/gelobt_seist_du_herr_jesus_christ.txt · Zuletzt geändert: 2018/07/19 00:08 von mbautsch
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