Basar für Chachapoyas in Mater Dolorosa Berlin-Lankwitz

Ursula Storck

Einige Wochen vor dem ersten Advent geht es wieder los: die Vorbereitungen für den Chachapoyas-Basar laufen an. Die hektische Tätigkeit in den letzten Wochen betrifft mehr die Präsentation, die Dekoration des großen Pfarrsaals, die Einkäufe für die Getränke, die Listen für die Salat- und Kuchenspenden. Der neueste Trend für die Gestaltung der begehrten Advent-Kränze und -Gestecke ist natürlich längst erfasst, bevor es in aller Herrgottsfrühe auf den Blumen-Großmarkt geht, um dort die für dieses Jahr unverzichtbaren modischen, verkaufsfördernden Dekorationsmaterialien zu erstehen. Wegen der Herstellung dieser Gestecke soll auch schon mal ein teures Möbelstück ruiniert worden sein, ist von den Beteiligten zu hören: für Chachapoyas ist uns eben nichts zu schade… Es ist aber nicht ganz korrekt, zu glauben, nur in den wenigen Wochen vor dem ersten Advent würde für den Basar gearbeitet.

Kinder haben Weihnachtskarten gebastelt. Die unvergessene Edith Schumski hat das Obst aus ihrem Garten im Sommer zu riesigen Mengen zuckersüßer Marmelade verarbeitet. Und jedes Glas hatte seinen Preis! Ihre Marmelade war nicht billig. Sie war auch nicht davon abzubringen, die Gläser auf dem Deckel stehend zu präsentieren. Schließlich hatte sie es immer schon so gemacht und die Methode hatte sich bewährt. Marmelade gibt es immer noch. Doch nun wird sie nach anderen Rezepten von anderen gekocht. Es müssen eine Menge der beliebten „Nuss-Beigli“ gebacken und hübsch verpackt werden, delikate Liköre werden angesetzt, Konfekt geformt. Das geht nicht so schnell und muss sorgfältig organisiert werden.

Das Ehepaar M. bastelte das Jahr hindurch Holzspielzeug, Frau M. bemalte in minutiöser Detailtreue Seidentücher und Kissenhüllen. Inzwischen weilen die beiden leider nicht mehr unter uns und neue Bastelideen sind gefragt. Der Basar beschäftigt einige von uns über einen längeren Zeitraum recht intensiv.

Am Christkönigsfest spenden die Kinder Spielzeug und Bücher für den Kinder-Basar: freilich ist durchaus nicht jede „Spende“ brauchbar und unbeschädigt. Rigoros muss das aussortiert werden, was unverkäuflich ist, weil es eigentlich auf den Müll gehört. Blaue Müllsäcke sind unverzichtbar, leider.

Das Jahr hindurch können die Gemeindemitglieder ihre Spenden im Pfarrhaus oder beim Küster abgeben. Ganz besonders freuen sich die „Basar-Manager“ über Haushaltsauflösungen mit brauchbarem, gut erhaltenem Hausrat. Und natürlich Antiquitäten und Schmuck: Die Vitrine auf der Bühne steht unter der Regie des Pfarrers. Und es sind meist einige hübsche Sachen dort zu finden.

Gleich wenn man den großen Pfarrsaal durch die linke Tür betritt, findet man am Samstagabend rechts den großen Topf, in dem aromatisch der Glühwein dampft: liebevoll mit blättrig geschnittenen Mandeln und Rosinen verfeinert. Gleich daneben kann man ständig frisch gebackene Waffeln bekommen, nun schon von den herangewachsenen Pfadfindern gebacken, die am Basar 2000 auch fleissig als (fast) professionelle Kellner mit langen, von einem der Väter genähten Schürzen die zahlreichen Gäste bedienten.

Frau B. hat es nicht leicht. Sie betreut die langen, im Geviert aufgestellten Tische mit dem, was man wirklich „Trödel“ nennen muss: bunt gemischt ist das Angebot und umfasst Kosmetikartikel, Keramikkrüge und -teller, schon mal ein Weihwasserbecken, ein Likörservice und Modeschmuck, und, und, und… Man sollte sich Zeit nehmen, ihr Angebot zu studieren. Manchmal lohnt es sich wirklich, die Tische mehrmals zu besichtigen.

Unterstützt wird sie von einigen Damen aus dem Familienkreis. Am Basar-Wochenende hat jede von ihnen einen hübschen, selbstgebastelten Anstecker, der sie als Angehörige des Teams kennzeichnet. Jede der Damen hat ein Geldtäschchen und darf kassieren.

Der GEPA-Stand bietet ein reichhaltigeres Angebot, als es normalerweise auf dem schmalen Tisch im Vorraum der Kirche Platz hat: T-Shirts, mit leuchtenden Farben phantasievoll gestaltet, Holzarbeiten und hübsche kleine Basteleien aus Asien, Afrika und Südamerika sind zu finden, Kerzen, Tücher, Karten, Gewürze, Kaffee und Tee. Wer sich für aparte Leckereien interessiert, sollte hier vorbeischauen: raffinierte Marmeladen, Frucht-Liköre, Konfekt, und die schon erwähnten „Nuss-Beigli“ stapeln sich appetitlich verpackt.

Tradition ist für den Samstag-Abend des ersten Advent die „Elsässer Weinstube“. Der Zwiebelkuchen oder die Quiche Lorraine werden Portion für Portion in der Mikrowelle auf-gewärmt. Der Clubraum ist mit Kerzen gemütlich beleuchtet und lädt zum Plaudern ein. Da nicht alle Gäste im Clubraum sitzen können, gibt es auch eine Reihe von Bierzelt-Tischen und Bänken im Vorraum des Gemein-dehauses. Dort ist der Geräuschpegel nicht gerade niedrig, weil hier natürlich viele Kinder zu finden sind.

Eröffnet wird der Basar am Samstag-Abend nach der Vorabend-Messe, gegen 19.00 Uhr.

Es hat sich gezeigt, dass nur rigoroses Abschließen vorzeitige Basar-Besucher im Zaum halten kann. Dichtgedrängt warten sie schon lange vor der offiziellen Eröffnung hinter der Glastür auf Einlass: Aussicht auf „Schnäppchen“ hat nur, wer früh genug das Angebot begutachten kann…

Für die Mitarbeiter, die die Vorabend-Messe besucht haben, ist es nicht ganz einfach, sich bis zu ihrem „Arbeitsplatz“ hindurchzuarbeiten und Frau B., die den Schlüssel verwaltet, zu signalisieren, dass man eingelassen werden möchte. Endlich ist die Vorabend-Messe beendet und dann ergießt sich der Strom der Kauflustigen in die Räume.

In der Bücherstube wird es schnell zu eng. Klein ist sie ohnehin. Die vielfältigen Spenden lassen sich oft genug nur noch vielen „Grabbelkisten“ zuordnen. Die potentiellen Käufer sind auf „Schnäppchenjagd“ und wollen am liebsten einen teuren Kunstband für 5,- DM bekommen oder für einen noch aktuellen und vor allem: bestens erhaltenen Krimi von dem berühmten Henning Mankell allerhöchstens 2.– DM ausgeben…
Leider alles vorgekommen.
Zum Glück gibt es auch die großzügigen Besucher, die durchaus „für den guten Zweck“ die geforderte Summe aufrunden.
Auch in der Bücherstube musste im Vorfeld ordentlich aussortiert werden.
Was wir nicht alles anbieten sollen! Da gibt es einen Strassenatlas von 1975: für Historiker unentbehrlich…
Vermoderte, stockfleckige, alte Bücher: wären sie in gutem Zustand, würde man sich freuen.
Aber sie haben einfach zu lange in einem feuchten Keller gestanden. Uralte Software, einstmals sehr, sehr teuer, die bei uns aber unerwartet doch noch einen Liebhaber fand!
Zerflederte Heftchen, fromme Traktätchen, politische Literatur älteren Datums, Ausstellungskataloge, die nur noch elegant aussehen aber bestimmt keinen mehr interessieren, Spezialisten ausgenommen.
Besonders peinlich war folgende Begebenheit: Unter den Spenden befand sich auch eine große Plastiktüte mit billigen Roman-Heftchen. Es war uns ziemlich klar, wohin die gehörten, natürlich in den Karton mit dem Abfall!
Am Sonntag stellte sich eine alte Dame ein, die unser Angebot sorgfältig prüfte. Schließlich fragte sie, ob wir auch Roman-Heftchen hätten. Auf unsere abschlägige Antwort meinte sie, sie hätte doch eine ganze Tüte davon gespendet… Wir konnten uns nur mit einer Notlüge aus dieser peinlichen Affäre ziehen.

Es ist auch schon vorgekommen, dass uns wegen der Preise Vorwürfe gemacht wurden. Wir machten ja keinen Unterschied zwischen Händlern und Privatkunden! Wie sollten wir denn die einen von den anderen unterscheiden?? Und wie sollten wir den Händlern gegenüber wohl höhere Preise durchsetzen?? Wenn wir unsere „Ware“ aus solchen Gründen zurückhalten, riskieren wir nur, dass noch mehr unverkauft liegenbleibt und das Brauchbare für den nächsten Basar wieder in die Kartons und Schränke hinter der Bühne wandert, davon aber ganz bestimmt nicht besser wird.

Trotz aller „Problemchen“ am Rande bringt die Bücherstube doch immer eine ganz hübsche Summe ein.

Spannend ist in jedem Jahr, wie die Eltern-Kindgruppe, eine Krabbel-Gruppe für die Kleinsten, ihren Raum gestalten wird.

2000 war er in eine „Märchenstube“ verwandelt, wunderhübsch mit einem dunkelblauen, sternübersäten Vorhang vor der Tür. Im Herbst zuvor hatte uns Heinrich Dickerhoff ein Wochenende über Märchen gehalten, das auch eine Extra-Lesestunde für die Kleinen enthielt.

Auf dem Kinder-Basar wuseln die Kinder herum und halten Ausschau nach einem Spielzeug, das sie noch nicht haben und sich vom Taschengeld leisten können. Die Eltern versuchen derweil, die Begehrlichkeit der Kleinen ein wenig zu dämpfen. Alle Kinderzimmer sind eigentlich voll genug…
Junge Eltern und Grosseltern finden vielleicht preiswert eine Wickelauflage oder einen Kindersitz fürs Auto.
Die Angebote sind oft sehr gut, von überlebensgroßen Stofftieren einmal abgesehen, Eltern schätzen derlei nicht. Doch für sie begeistern sich nun einmal die Kinder!

Und wenn die Schlacht geschlagen ist, das Gemeindehaus wieder in seinem „Alltagsgewand“ dasteht, brauchen die zahlreichen Helfer erst mal eine Verschnaufpause. Allzu lang darf sie freilich nicht sein: bald ist ja Weihnachten…

Anmerkung: Der Text wurde mehrfach überarbeitet. Die erste Version entstand im Jahr 2000. U. S.

chachapoyas/basar.txt · Zuletzt geändert: 2016/12/12 22:12 (Externe Bearbeitung)
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