Choralbearbeitung von Bach „Christ, unser Herr, zum Jordan kam" (BWV 684)

Der Text des Liedes spannt den Bogen von der Taufe Jesu zur Taufe und zum Leben des Christen. Bei Bach wird die Melodie des Liedes im Pedal in langen Notenwerten gespielt, darunter ist ein weiterer sehr bewegter Baß, in dem man die Wasserwellen vom Jordan hören kann; zwei Oberstimmen konzertieren in vielfältigen Imitationen darüber.

Die Komposition endet ungewöhnlich: Die bewegten freien Stimmen umspielen den letzten Ton der Melodie, der sehr lange ausgehalten wird. Aber sie führen nicht zum erwarteten Schlußakkord in Moll. Vielmehr schließt der Satz mit einem Dur-Akkord, der zwar theoretisch als altertümlicher kirchentonaler Schluß gelten könnte, praktisch aber als Dominante gehört wird, das heißt man wartet noch auf die eigentlich „richtige“ Tonika. Der tatsächlich letzte Akkord ist dann auch noch relativ kurz; der Rest des Taktes wird – was nur der Blick in die Noten zeigt – mit einer Pause gefüllt, die noch eine Fermate trägt. Diese Auffälligkeiten zusammen scheinen eine Deutung nahezulegen:

So wie der erwartete musikalische Schluß nicht im „natürlichen“ Medium des hörbaren Klanges eingelöst wird, so findet die Taufe ihre Vollendung auch nicht im sinnlich Faßbaren, sondern erst nach dem irdischen Leben.

Siehe auch

musik/choralbearbeitung_von_bach_„christ_unser_herr_zum_jordan_kam_bwv_684.txt · Zuletzt geändert: 2016/12/12 22:12 (Externe Bearbeitung)
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